Die Legende der Zlonimas

>>Vor Tausenden von Jahren, gab es einmal ein Volk, dass sich Zlonimas nannte. Sie lebten in einem Teil von Nesmerba, den heute kein Lebewesen mehr kennt. Sie waren sehr mächtig, denn sie waren weise und konnten jedes Lebewesen von Schmerz und Leid befreien. Sie waren immer schon sehr kinderreich gewesen und waren darüber sehr glücklich. Alle sahen sie sich total ähnlich, dass man sie nicht unterscheiden konnte, außer wenn es Kinder waren. Denn, egal ob Groß und Klein oder Jung und Alt, sie sahen alle gleich aus. Sie waren groß gewachsen und schlank. So wie wir, hatten sie Haare, doch es waren keine gewöhnlichen Haare. Unsere Haare werden erst in späten Jahren, wenn wir alt werden, grau oder weiß. Bei ihnen war das anders. Sie hatten von Anfang an, wenn sie geboren wurden, weiße Haare. Ihr ganzer Körper war bedeckt mit Falten, auch bei den jungen Zlonimas. Ihre schwarzen Augen waren immer voller Frohsinn. Man merkte dies immer an dem kurzen Aufleuchten ihrer Augen, wenn sie glücklich waren. So lebten sie dann tausend Jahre. Aber in diesen tausend Jahren wuchs weit unten im Süden ein Berg heran. Viele Menschen, die den Berg zu lange angesehen hatten, verfielen dem Wahnsinn und brachten sich selber um. Andere wiederum, versteckten sich Monatelang in irgendwelchen Nischen, sprachen kein Wort, aßen und tranken nichts mehr, und starben so den Hungertod. Die Verwandten der Toten nannten den Berg, „Berg des Grauens.“ Es waren aber nicht nur Menschen, die dem Wahnsinn verfielen, sondern auch andere Wesen. Drachen, Riesen, Steinminotauren, Zwerge, Feen, Elfen und viele mehr.
Überlebende, die dem Wahnsinn entgangen waren, haben berichtet, dass die Erde beben würde, bevor die Ungeheuer mit großen hässlichen Flügeln rausflogen und den Berg umkreisten. Dabei sangen sie ein furchterregendes Lied . Niemand kennt die Sprache der Ungeheuer und niemand wollte sie kennen. Doch wenn man einmal das Lied, das sie immer wieder singen, hört, bekommt man den Rest seines Lebens fürchterliche Albträume. Man hat sie gefragt, ob es vielleicht Drachen gewesen sind, aber alle haben sie verneint. Nicht mal die bösartigsten Drachen würden so schauerlich singen. Man fragte sie, wie sie aussehen, viele brachen aber in Tränen aus und bekamen sich nicht mehr ein. Andere erzählten, dass sie wie Menschen wären, nur abgrundtief hässlich und das sie eben Flügel hätten. Alles an ihnen wäre Pechschwarz, die Augen Blutrot, Schleimiggrün oder Schwefelgelb. Die Zähne lang spitz und faulend.
Die Trauernden baten den Anführer Nefrud, den Ältesten unter den Zlonimas, um Rat und Hilfe, doch konnte er ihnen keinen Rat und auch keine Hilfe geben. Es wurden Lager für die Trauernden hergerichtet. und Nefrud rief eine Ratssitzung zusammen. Zuerst beriet er sich mit den Älteren Zlonimas seines Volkes, dann mit den Zlonimas, die gerade zu den Erwachsenen geworden waren. Sie berieten sich fünfzig Tage und fünfzig Nächte, doch niemand wusste, was zu tun ist. In der letzten Nacht, wo alle Ratsmitglieder die Hoffnung schon aufgegeben hatten, trat ein jüngerer Zlonim zu ihnen. Enasus. Nefrud wurde wild vor Zorn, denn es war den jüngeren Zlonimas, die noch nicht im Erwachsenenalter waren, strengstens verboten bei einer Ratssitzung, wie diese, dabei zu sein. Enasus hatte eine Idee, wie das Problem gelöst werden könnte, doch Nefrud wollte sie sich nicht anhören. Die anderen Mitglieder des Rates versuchten ihn zu überreden. Schließlich schlug er vor, dass er einen Tag darüber schlafen wolle und sagte ihnen, dass sie zur selben Zeit wie diese wieder hier zur Ratssitzung herkommen sollten. Alle gingen zu ihren Unterkünften und legten sich schlafen, nur Enasus nicht. Er war viel zu aufgeregt, um irgendwie zu schlafen und saß schließlich bis zur nächsten Nacht wach. Langsam füllte sich der Platz, wo die Ratsitzung stattfinden sollte. Und zum Schluss kam Nefrud zu ihnen. Lange sah er die Mitglieder des Rates an und sagte dann laut, dass alle es mithören konnten, dass er darüber nachgedacht hatte und sich die Idee von Enasus anzuhören. Enasus trat in die Mitte des Platzes und blickte aus großen schwarzen Augen den weisen Nefrud an. Dieser befahl ihm zu reden, und Enasus erzählte, dass sie den tapfersten, stärksten und klügsten Zlonim zu den fürchterlichen Berg schicken sollten. Da es aber viele gab, die diese Aufgabe gerne machen würden, sollten sie eine Art Wettstreit veranstalten. Durch die Menge ging ein Flüstern und Raunen, denn niemand hatte es je gewagt, den Vorschlag zu machen, einen Wettstreit zu veranstalten. Zlonimas sind friedlebende Lebewesen und könnten keinem anderen Wesen Gewalt antun. Doch Enasus ließ sich nicht beirren. Er meinte natürlich nicht solch einen Wettstreit, sondern einen Wettstreit, wo die Ältesten Zlonimas Rätsel, Fangfragen, Denkaufgaben und Mutproben aufgeben würden. Nur der klügste, stärkste und tapferste Zlonim würde dann zu dem Berg geschickt werden. Enasus hatte zuende erzählt und wartete gespannt, was Nefrud sagen würde. Einige der Mitglieder klatschten Beifall, andere wiederum flüsterten und tuschelten miteinander. Dann rief Nefrud, dass sie still sein sollten und sah Enasus wieder lange an. Es war kein Laut mehr zu hören, da sprach Nefrud, dass der Wettstreit in zehn Tagen stattfinden sollte. Und erst dann, den klügsten, tapfersten und stärksten Zlonim zum Berg des Grauens schicken würden. Die Ältesten zogen sich zurück und dachten sich Aufgaben aus, die sie den Anwärtern stellen würden. Es dauerte zehn volle Tage bis sie alle Aufgaben hatten. Am zehnten Tag dann, alles war schon vorbereitet, stiegen die Ältesten auf ein errichtetes Podest und hießen die Anwärter willkommen. Auch Enasus war unter den Anwärtern. Der Wettstreit hatte begonnen. Es dauerte weitere dreißig Tage und dreißig Nächte bis nur noch Enasus und sein Bruder Sunas übrig blieben. Die Ältesten gaben den Brüdern schwierige Aufgaben, doch beide lösten sie immer wieder gleich. Irgendwann aber, hatte keiner mehr von den Ältesten eine Aufgabe, und die Brüder standen immer noch unentschieden. Sie setzten sich noch mal zusammen und überlegten sich weitere drei Aufgaben. Diese Aufgaben waren so schwer, dass ein Bruder aufgeben muss. Egal welcher von ihnen. Und so dauerte es noch einmal drei Tage, bis endlich das Endergebnis feststand. Enasus hatte seinen Bruder Sunas besiegt. Enasus wurde fünf Tage gefeiert, bevor er aber loszog, wurde er noch mal von Nefrud zurückgehalten. Nefrud berichtete ihm nochmals, wie sie aussahen und wie hässlich sie waren. Dann erst begab er sich auf den Weg zum Berg des Grauens. Er hatte keine Waffe bei sich, sondern zog mit seiner Tapferkeit, Klugheit und Stärke von dannen.
Auf dem weg zum Berg des Grauens überstand er viele Abenteuer durch Stärke, Tapferkeit und Klugheit. Niemals kämpfte er mit Waffen oder tötete Wesen mit seinen bloßen Händen. Dies wäre für einen Zlonim eine große Sünde, die er sich niemals verzeihen könnte. So erreichte er eines Tages den Berg des Grauens. Er bestand aus schwarzem Stein und aus vielen Löchern, die in den Wänden waren quoll dicker gelber und schwarzer Dampf raus, der furchtbar auf dem ganzen Körper schmerzte. Enasus aber, ging auf dem Berg zu ohne sich zu fürchten oder sich vor schmerzen zu krümmen. Er spürte, dass der Boden unter seinen Füßen bebte, sodass Risse im Erdboden entstanden. Einmal wäre er sogar beinahe in solch einen Abgrund gestürzt, doch er konnte sich noch im letzten moment retten. Auch das konnte ihn nicht schrecken. Er suchte einen Eingang, um in den Berg zu gelangen, doch fand er keinen. So begab er sich daran, den Berg zu erklimmen. Als er die mehr als die Hälfte hinter sich hatte, bebte der Berg wieder, diesmal aber stärker als all die anderen male. Dicht neben ihm riss der Berg auf und ein gewaltiger Spalt klaffte in der Bergflanke. Und nun hörte Enasus den fürchterlichen Gesang. Es war kein Gesang mehr, sondern ein unaufhörliches Kreischen von mehreren Wesen, die jetzt, wie vom Blitz getroffen, aus dem Spalt schossen und anfingen um den Berg zu kreisen. Es wurden immer mehr und mehr, und die Wesen bewarfen Enasus nun mit spitzen Gegenständen, sodass er aus zahlreichen Wunden blutete. Er versuchte sich mit seiner Klugheit und seiner Tapferkeit zu retten, doch es gelang ihm nicht. Er sah sich die Wesen genauer an und stellte mit Grauen fest, dass sie viel hässlicher waren, hässlich war gar kein Ausdruck dafür, was sie verkörperten, als die Überlebenden gesagt hatten. Sie schrieen, kreischten, sabberten und bewarfen ihn immer mehr mit diesen spitzen Gegenständen. Enasus, der mittlerweile aus weiteren Wunden blutete, war so schwach geworden, das er sich nur noch mit Mühe festklammern konnte. Dann, mit einer wucht, die die Knochen in seinem Leib zum Bersten brachte, ließ sich solch ein Wesen gegen ihn fallen, sodass er in die Bodenlose Tiefe fiel. Schmerzerfüllt schloss er seine Augen und wartete selig auf seinen Tod. Doch bevor ihn der Tod holen konnte, schnappten sich zwei von den scheußlichen Wesen den zerschundenen Körper, bevor er auf dem Boden aufprallen konnte. Zusammen mit Enasus, flogen sie wieder in den Berg hinein. Sie quälten den zerschundenen Körper immer mehr, sodass Enasus Bewusstlos wurde.
Als er wieder zu sich kam, konnte er nichts erkennen. Alles um ihn herum war schwarz. Tief in seinem Inneren fragte er sich, ob er tot sei und ob so die Hölle wäre. Undeutlich vernahm er eine grauenvoll verzerrte dunkle stimme, die sagte, Das dies, was er hier erleben würde, viel schlimmer ist als die Hölle. Dann wurde es hell, das Licht schmerzte in seinen Augen. Das Licht war aber nicht stark, sondern ging von großen Fackeln aus die nur schwach leuchteten. Enasus lag reglos auf dem Boden, wo Unrat und anderes Zeugs rumlag, worüber sich Enasus nicht den Kopf zerbrechen wollte. Voller Ekelgefühl versuchte er seinen Kopf wegzudrehen. Dann hörte er hämisches und höhnisches Lachen, dann begaben sich die Wesen in eine Art Trance zu versetzen. Alle zusammen kreischten sie laut, dann leise, dann wieder laut und wieder leise. Enasus schloss voller Gram seine gequälten Augen und atmete tief durch. Ein furchtbarer Schmerz durchzuckte seinen ganzen Körper und er öffnete sie wieder. Er starrte in das abscheulichste Gesicht, was er jemals gesehen hatte. Enasus wurde übel und er übergab sich zu den Füßen des Monstrums. Wieder ertönte hämisches und höhnisches Gelächter. Und auch das Monster, das ihn nur mit einer Klaue, die mit langen fingerartigen Gliedern, deren Ende in Messerscharfe Krallen endeten, festhielt, lachte. Das Monster drückte seine Hand fester zu und Blut floss unter den Krallen hervor. Enasus hörte, wie das Monster zu den seinen sprach und sich dann an Enasus wandte. Es sagte ihm, dass es ein großer Fehler war, hierher zu kommen, und dass sie ihn töten würden, sobald sie alle ihren spaß gehabt hatten. Er ging in die Hocke, mit Enasus in der Hand, und nahm sich eine Handvoll Unrat, und rieb es noch mal durch dem erbrochenem von Enasus und stellte sich wieder grade hin, während er immer fester zu drückte und immer mehr Blut aus dem Mund, den Ohren und den Augen floss. Durch das krachen des Unterkiefers, konnte er seine ganze Faust mit dem Unrat in den Mund von Enasus stecken, der schmerzerfüllt aufstöhnte. Aber er konnte nichts mehr schmecken noch riechen. Seine Geschmacksnerven sowie die Geruchsnerven waren zerstört. Dann packte ihn das Monster so stark am Hals, dass er keine Luft mehr bekam und fragte ihn, wie es wäre, wenn er sich selbst sehen könnte, so wie er jetzt an der Hand des Monsters baumelte. Das Monster wartete erst gar nicht ab sondern zog seine Hand, samt Zlonim zu sich ran und schaute ihn mit seinen Schleimiggrünen Augen an. Enasus verdrehte vor Übelkeit die Augen und würgte, als ihn der beißende Atem des Monsters striff. Dann packte das Monster mit der anderen Hand in das Weiße blutverschmierte Haar und riss den Kopf zurück. Aus den Blutunterlaufenen Augen des Zlonim rannen Bluttränen des Schmerzes und der Hilflosigkeit.
Mit einem Mal, konnte Enasus sich selber sehen, entstellt und verstümmelt. Seine Arme und Beine standen in jede nur mögliche Richtung verdreht. Seine Nase war zertrümmert, und man konnte den Nasenrücken sehen. Sein Unterkiefer hing nur noch auf der linken Seite in der Halterung, aus seinem Mund troff der Unrat und das erbrochene. Er versuchte die Augen zu schließen, doch nur Gelächter rief ihn in die Realität zurück. Er öffnete seine Augen und sah wieder in das Gesicht des Monsters, das vor sich hin grinste. Plötzlich wurde Enasus schwarz vor Augen. Das Monster warf ihn mit solcher Wucht gegen die Berg wand, dass er wieder sein Bewusstsein verlor. Jedes dieser Monster, folterte und quälte ihn bis zu seinen Grenzen. Jeder hatte seinen Spaß mit ihm. Er starb eines qualvollen Todes. Bevor Enasus aber starb, nahm sich der Anführer seine Gedanken vor. Und so fand er heraus, wo er hergekommen war. Gemeinsam mit dem gequälten Leichnam von Enasus, flogen sie in den Teil von Nesmerba, wo die Zlonimas lebten.
Nefrud und die anderen warteten seit dem Fortgang von Enasus, jeden Tag auf den wiederkehrenden. Doch bis jetzt, kam er nicht nach Hause. Irgendwann aber, kam einer der mittel ältesten und berichtete, dass man Fremde am Horizont gesichtet hatte. Gemeinsam gingen sie zu der Forte ihrer Stadt und warteten gespannt auf die Neuankömmlinge.
Erst später bemerkten sie, dass etwas nicht stimmte. Sie hörten das Lied, von dem die Überlebenden erzählt hatten, dass so furcht erregend anzuhören war. Schnell befahl Nefrud den anderen sich zu verstecken, denn es handelte sich nicht um den wiederkehrenden Enasus. Doch es war zu spät. Die Monster waren mittlerweile über der Stadt und schmissen den Leichnam von Enasus in die Mitte der Stadt, genau auf dem Platz, wo er fünf Tage lang gefeiert worden war. Alle versuchten zu entkommen, doch alles nützte nichts. Die Monster wollten nur die jüngsten haben und holten sich die auch. Die Eltern und die Ältesten flehten sie an, das nicht zu tun. Sie wurden alle getötet. Mit großem Entsetzen trat nun Sunas, der Bruder von Enasus zu dem geschundenen Leichnam. Und hielt ihn in seinen Armen fest. Auch er wurde mitgenommen. Als sich jedes Monster ein Kind der Zlonimas gefangen hatten, flogen sie wieder zu dem Berg des Grauens.
Die übrig gebliebenen, konnten nichts für ihre Kinder tun. Viele waren getötet worden. Die Trauer war so groß, dass Nefrud entschied, dass jeder seinen eigenen Weg gehen solle. Und nur er allein blieb in seiner Stadt allein zurück. Die anderen alle gingen zuerst in ganzen Gruppen los, doch nach und nach blieb einer nach dem anderen zurück. Sie ertrugen die Qualen der Trauer nicht und stellten sich an Wege und Straßenränder und weinten bis sie zu einem  Baum wurden. Seit diesem Vorfall, hatten sie nie mehr diese vor lauter Frohsinn glänzenden Augen. Niemals mehr, gab es Kinder unter den Zlonimas. Und nur unter diesen Bäumen, wachsen diese Schattenblumen, man kann sie auch Trauerpflanze nennen. Seitdem aber, ist nie wieder so was passiert. Einige erzählen, dass es diese Geschichte nicht gibt, sondern nur frei erfunden ist. Und andere erzählen, dass die Monster, auch Schwarzdrachenmenschen genannt, sich nur an den jungen Zlonimas erfreuten. <<

Ende

von R. H.

Zombiedorf, 02.11.2007

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Opfergabe

Ich werde wach, spüre kalten Stein unter mir. Versuch mich aufzurichten, doch geht es nicht. Ketten klirren. Meine Hände und Füße sind angekettet.
Es werden Fackeln angezündet. Die Helligkeit schmerzt in meinen Augen, sodass ich sie wieder schließe.
Eine tiefe Stimme sprach in einem unheimlichen Ton, viele andere antworteten.
Wo war ich?
Ich erkenne Menschen. Allesamt in Schwarz gewandet.
Böse Menschen? Dumme Frage.
Sie singen leise. Leise und unheimlich, immer lauter werdend.
Ein dicker Kloß schnürt mir meine Kehle zu, kann nicht atmen. Ich versuche meinen Kopf zu drehen. Es funktionierte nicht.
Ein kalter Wind ließ mich frösteln. Fackeln zeichneten bizarr tanzende Schatten an alte, feuchte Wände.
Erst jetzt bemerkte ich, das ich, dass ich gar nichts an hatte! Splitternackt lag ich auf einem Tisch. Besser ausgedrückt, auf einem Altar. Auf einem Altar in einem alten Gewölbe.
Die Fackeln erhelten den Raum wenig, doch konnte ich an der Decke über mir, ein Pentagram ausmachen. Falsch herum.
Jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Es waren Teufelsanbeter und ich spielte eine gewisse Rolle hier. Vielleicht sogar die wichtigste Rolle überhaupt.
Ich war die Opfergabe.
Der Mann mit der tiefen Stimme, beugte sich über mich. In der linken Hand ein dickes, altes Buch. Ich konnte den alten, modrigen Geruch riechen. In der rechten Hand hielt er einen langen Dolch.
die anderen Anbeter fingen an zu singen, während ihr Anführer, leise murmelnd, mir mit dem Dolch den Hals, Oberkörper, beide Handflächen und beide Füße auf ritzte.
Den Schmerz spürte ich kaum, ich war wie in Trance.
Irgendwo vor mir ratterte es. Wenige Sekunden später, tauchte ein riesiges, umgedrehts Holzkreuz auf. Viele Hände packten und schleiften mich zum Kreuz, ketteten mich fest und schlugen mir rostoge Nägel in Hände und Füße. Ich stöhnte auf. Der Schmerz erinnerte mich daran, das ich noch lange nicht zu denen gehörte, die im Jenseits ihr dasein fristeten.
Ketten wurden gezogen, bis das Kreuz in der Luft schwebte. Mit offenen Augen sah ich vor mir jede menge Leute in dunklen Mönchskutten. Die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen.
Einer trat hervor, ein Peitsche mit spitzen Widerhaken in der Hand.
Ein Peitschenhieb, riss mir die rechte Seite auf. Warmes Blut floss mir über das Gesicht. Weitere Hiebe an Beinen, am Hals, im Gesicht. Überall.
Das Kreuz bewegte sich wieder nach vorne. Fast ohnmächtig vor Schmerz, bekam ich nur am Rande mit, dass sie wieder angefangen hatten zu singen. Einstimmig wie in einem Chor.
Ihr Anführer hob die Stimme an, sprach wie ein Pfarrer zu seiner Gemeinde.
Ein irrwitziger Gedanke, sprach er ein Gebet?
Eoin Geräusch, wie aus einer Mühle, drang an mein Ohr.
Stein auf Stein.
Der Anführer schrei fast, seine Gemeinde schien in Ekstase.
Erneut bewegte sich das Kreuz, wurde schneller, raste auf die Wand zu.
Das letzte was ich sa, waren blitzende Speerspitzen, die aus der Wand ragten.
von RH
20.11.2006Zombiedorf
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Der Toten Sohn

Frankreich 1655. Man erzählte sich viele Geschichten über den Grafen Jean Pierre, der als verrucht galt. Mit seinen 33 Jahren war er immer auf der Suche nach mehr. Doch eines Tages lernte er die Junge Lady Sara kennen. Diese war mit ihren Eltern, die reich und wohlhabend waren nach Frankreich gekommen um sie dort zu verheiraten.

Der Graf und die Lady standen sich zum aller ersten mal im Schloss des Groß Herzogs von Orleans. Jean Piere war von dem Anblick der jungen Lady Sara so angetan, das er seinen Blick nicht mehr von ihr abwenden konnte. Schon nach dem Ersten Treffen, hielt er bei Saras Vater um ihre Hand an. Voller Freude nahm er den Grafen in den Arm. Es war beschlossene Sache. Der Graf und die Lady Sara sollten beim nächsten Neumond heiraten. Doch so weit kam es nicht mehr.

Der Vater von Sara hatte dem Grafen nicht erzählt, das seine Tochter unheilbar Krank war und sterben würde. Und so geschah es auch. In der Nacht vor der Hochzeit, starb die junge Lady Sara in den armen ihres Geliebten. Dieser verfiel in so eine Trauer, dass er Sieben Tage und Sieben Nächte lang neben ihrem Bette saß und die Totenwache hielt. In dieser Zeit, die für den Grafen wie eine Ewigkeit erschien, aß und trank er nichts. Wenn seine Diener an die Tür klopften, jagte er sie bloß fort. Er wusch sich nicht, rasierte sich nicht und wurde immer rabiater.

Nun war es an der Zeit, seine Geliebte Sara, Mutters Schoß zurückzugeben. Es war ein grauer November Morgen, als das Begräbnis stattfand. Viele waren gekommen um Sara die letzte Ehre zu erweißen und von ihr Abschied zu nehmen. Denn, obwohl sie noch nicht lange in Frankreich war, wurde sie von den Landsleuten geliebt, als ob sie dort geboren worden war.

Der Graf Jean Pierre weinte bittere Tränen. Auch als alle anderen schon nach Hause gegangen war, kniete er vor Saras frischen Grab und weinte um sie, erst als es anfing zu dämmern, machte sich der Graf, schweren Herzens auf dem Weg nach Hause.

Es vergingen drei Nächte, in der er kein Auge zu getan hatte. Er saß in seinem Saal, einsam an dem langen Tisch, an dem er nur ein einziges Mal mit Sara gesessen und mit ihr über alles geredet hatte. Bei dem Gedanken an Sara stiegen ihm erneut Tränen in die Augen. Er versuchte sie zu vergessen und fing an sich zu betrinken.

In der fünften Nacht endlich, schlief er erschöpft ein und träumte. Er träumte von seiner Geliebten Sara, wie er sie zum Traualtar führte, wie sie nach der Vermählung ein großes Fest feierten um schließlich mit, vom Wein, geröteten Wangen in ihr Gemach verschwanden. Als der Graf erwachte, war es noch früh in der Nacht. Er lauschte in die Nacht hinein, verharrte einen Moment und versuchte wieder einzuschlafen. Aber er überlegte es sich anders und stand auf. Er zog sich nur seinen Morgenmantel über und trat ans Fenster. Mit Sehnsuchtsvollem Blick sah er auf Saras Grab.

Als er sich wieder umdrehen wollte, sah er im Blickwickel einen fahlen Körper im Mondlicht schimmern. Er drehte sich wieder zum Fenster und sah noch einmal zum Grab seiner Sara hin. Dort war es schon wieder. Ein zarter Frauen Körper, gerade aus dem Mädchenalter entwachsen, stand an dem Grab. Jean Pierre traute seinen Augen nicht. Dort an dem Grab, stand seine Geliebte Sara so, wie Gott Eva erschaffen hatte.

Mit schnellen Schritten war er an der Tür, riss sie fast aus den Angeln und lief mit nackten Füßen zum Grabe hin. Aber dort war keine Sara. Im fahlen Mondschein, schimmerte nur der Grabstein. Mit hängendem Kopf, ließ er sich neben dem Grabe nieder und weinte wieder.

Seine Diener, die ihn aus dem Haus rennen sahen, wunderten sich und gingen schnell auf ihre Zimmer. Seit dem Tode Saras, hatte sich ihr Herr verändert und machte ihnen Angst. Er war viel schlimmer geworden, bevor er um Saras Hand angehalten hatte.

Der Graf wusste nicht, wie lange er schon neben dem Grabe gesessen hatte, als sich etwas vor dem Mond schob. Mit rot geränderten Augen blickte er hinauf. Es war keine Wolke, die sich vor dem Mond geschoben hatte. Es war das erste mal, das Jean Pierre eine Mondfinsternis mit ansah und etwas wurde in ihm wach. Er spürte auf einmal ein Bedrängnis in seinem Innern, dass er sich seinen Morgenmantel vom Leibe riss und nackt am Grabe saß. Wieder sah er zum Mond hinauf, dann sah er auf das Grab hinab, in dem seit fünf Tagen seine Geliebte Sara lag. Er schmiss sich wieder auf die Knie, fuhr mit den Fingern über die nasse Erde und fing an zu graben. Er grub und grub, bis er seine Finger wund und blutig geschürft hatte. Dann stoßte er auf den Sarg, in dem seine Sara ruhte.

Mit der Bloßen Kraft seiner Hände, öffnete er den Sarg und fand seine Geliebte Sara unversehrt in ihrem nassen Bette liegen. Sie sah immer noch so schön aus, wie am Ersten Tag ihrer Begegnung.
Sanft strich er über ihre Wange. Nackt kniete er sich über sie und küsste ihre erstarrten Lippen. Dann tat er das, was niemand von dem Grafen Jean Pierre erwartet hatte, was noch nicht mal er von sich gedacht hatte. Er schändete ihren Leichnam, tat sich an ihr genüsslich.

Müde und Erschöpft, sank er auf ihren Körper und schöpfte Atem. Er lag eine Ganze Weile still und lauschte seinem Atem. Plötzlich vernahm er eine Stimme. Er richtete sich auf und sah sich um, aber niemand war zu sehen. Als er auf Sara sah, durchfuhr ihn ein Schreck. Sara sah nicht mehr unversehrt aus. Aus leeren Augen Höhlen starrte sie ihn an. Würmer krochen überall herum und der Mund war halb geöffnet. Und wieder vernahm Der Graf die Stimme. Diese befahl ihm, er solle in genau neun Monaten wieder kommen. Dann würde er einen Sohn vorfinden.

Der Graf Jean Pierre gehorchte und kam zur gebotenen Zeit abermals zu Saras Grab, um es erneut zu öffnen. Wieder grub er sich seine Finger blutig und fand in dem Sarg, auf Saras Oberschenkelknochen einen kleinen Schädel. Vorsichtig nahm er ihn in seine Hände und hielt ihn vor sein Gesicht und betrachtete ihn eingehend. Dann sprach die nämliche Stimme wieder zum Grafen. Befahl ihm, den Kopf gut zu hüten, denn es sei ein Geschenk Gottes und würde ihn reich belohnen, wenn er gemessen mit ihm umgehen würde. Wenn er es nicht täte, würde ihn der Teufel holen kommen.

So vergingen Jahre. Jean Pierre wurde immer älter, doch alterte er nicht. Als der Groß Herzog von Orleans im Sterben lag, sagte er an seinem Sterbebett, dass er den Grafen Jean Pierre, als seinen Nachfolger wünschte und so wurde Jean Pierre sein Nachfolger. Er siedelte von seinem Landsitz rüber nach Orleans ins Herzogliche Heim.

Wieder vergingen die Jahre wie im Flug und der Herzog wurde wieder älter, doch alterte er immer noch nicht. Wenn Jean Pierre ausritt und die Menschen, die ihn kannten sahen, bekamen sie es mit der Angst zu tun, verbeugten sich tief und sahen ihn nicht an. Denn ein Mann, der schon 85 Jahre alt war und nicht alterte, war mit dem Teufel im Bunde.

Der Kopf, den Jean Pierre aus dem Grabe seine Geliebten Sara geholt hatte, verbarg er in einer Gold beschlagenen Truhe, dessen Schlüssel er sich um seinen Hals hing. Der Kopf war sein best gehütetes Geheimnis, wenn man nach dem Inhalt der Truhe fragte, ließ er enthaupten. Und zur Warnung, damit kein anderer mehr dumme Fragen stellte, ließ er die Köpfe an das Tor nageln.

Langsam und stetig, verwandelte sich der Herzog in einen Tyrann. Selbst der König konnte nichts dran ändern. Bald wurden aber die Menschen zornig und taten sich zusammen um gemeinsam gegen den Herzog anzukämpfen. Sie schlossen sich zusammen und zogen gegen ihn in den Krieg. Jean Pierre fand dies sehr amüsant. Er holte den Kopf aus der Truhe, wickelte ihn in einem roten Seidentuch, stieg auf sein gewaltiges Schlachtross und ritt der zornigen Menschenmenge allein entgegen.

Als sich der Herzog und die Menschenmenge gegenüberstanden, war es für einige Zeit still. Da fing der Herzog an zu lachen und spottete über die Schar. Die Menschenmenge ließ sich das nicht gefallen und stürmte auf den Herzog zu. Doch bevor sie ihn erreichten, wickelte er den Kopf aus und hielt ihn empor. Mit weit aufgerissenen Augen, blieb die Schar stehen. Der Kopf, den der Herzog gen Himmel hielt, strahlte etwas unnatürlich Grausames aus. Abermalig lachte der Herzog und die leeren Augen fingen zu leuchten an. Jäh verdunkelte sich der Himmel. Blitze fuhren zur Erde hinab und schlugen in die Bäume, nahe der Meute ein. Helle Flammen loderten auf. Einige liefen von Panik erfüllt, orientierungslos durch die Gegend. Andere warfen sich zu Boden und hoben schützend die Arme über den Kopf.

Ein Blutroter Lichtschein ging nun vom Kopf aus und mit einem gewaltigen Donner, fielen alle, außer einer, tot um. Jean Pierre ritt zu dem Mann der immer noch auf dem Boden kauerte, zu. Blieb Kurz vor ihm stehen und sprach in einem herablassenden Ton zu ihm und sagte ihm, das er allen sagen soll, sie sollen sich nicht mit ihm, dem Groß Herzog von Orleans, anlegen. Es könnte tödlich für sie enden. So ritt er von dannen.

So ging es noch Jahre weiter. Viele rafften sich auf, um gegen ihn an zu kämpfen, doch immer mehr Menschen starben, als der Herzog ihnen den Kopf zeigte. Jean Pierre bekam nicht mehr genug. Er wollte nur noch töten, sie leiden lassen. Es war für ihn eine Wohltat zu sehen, wie sich die anderen mit ihren Schmerzen rum quälten.

Irgendwann kam es wieder zu einem Aufstand. Wieder stand Jean Pierre einer wütenden Meute gegenüber. Und wieder zeigte er der Menge seinen Kopf. Doch diesmal war es anders. Der Kopf, erhob sich von der Hand des Herzogs, drehte sich und explodierte in sandfeinen Staub. Jean Pierre starrte den Staub mit offenem Mund an, der langsam zu Boden rieselte. Mit einem unsicheren Blick, sah er zu der Schar, die jetzt ihrerseits anfing zu lachen und zu spotten. Mit einem lauten Brüll liefen sie auf den Herzog zu und prallten gegen eine unsichtbare Mauer. Erstaunt über solch Hexenkunst, blieben sie stehen.

Kein Wind wehte und es war toten still. Jean Pierre wusste nicht recht, was er machen sollte. Als er sich dazu entschied, zu flüchten, gab es ein lautes Krachen. Die Erde bebte und brach auf. Feuer schlug aus dem Boden und der Himmel verdunkelte sich schlagartig. Aus der Spalte im Boden, kamen tausende Schreckensgestalten und umzingelten den Herzog. Voller Schrecken sah dieser in die hässlichen Fratzen der Grauenhaften Gestalten, die ihn hungernd anstarrten. Dann donnerte es und aus der Spalte kam noch jemand. Jemand, den niemand erwartet hatte. Luzifer höchst persönlich kam, um seinen Ehrengast, Jean Pierre den Groß Herzog von Orleans, zu holen.
Mit einem unvorstellbar boshaften Grinsen, sprach er ihn an. Jean Pierre hatte einen Fehler gemacht. Er ist mit dem Teufel einen Bund eingegangen, als er den Kopf in die Hände genommen hatte und die Stimme hatte ihn gewarnt. Wenn er nicht gemessen mit dem Kopf umgehen würde, würde der Teufel ihn holen kommen. Und nun stand der Leibhaftige vor ihm.

Die Dämonen ergriffen ihn und zerrten ihn vom Pferd herunter. Luzifer kam auf ihn zu, beäugte ihn und gab ein Handzeichen. Um Gnade bettelnd fiel Jean Pierre dem Herrn der Finsternis vor die Füße, doch alles flehen half nichts. Mit einem grausamen Gebrüll, schmissen sich die Dämonen auf ihn und zerfleischten ihn. Dann mit lauten donnern und grellen Blitzen, verschwand Luzifer mit seinem Gefolge wieder in der Spalte, die sich danach vollends wieder schloss.

Die Menschen, die dieses grausame Schauspiel mit angesehen hatten, waren erleichtert. Ausgerechnet der Herr der Hölle hatte ihnen alles Leid genommen. Nun war die Tyrannei beendet. Von nun an, lebten die Menschen glücklich bis an ihr Lebensende.


Ende



Von R. H.
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Ein Sommernachtstraum

Letzte Nacht, wurde ich erneut von einem Traum verfolgt. Es war eine Schwüle Sommernacht und ich lief wie von Furien gehetzt durch einen Dunklen Wald. Ich weiß nicht, wie spät es war. Ich rannte, rannte und rannte. Bis ich das Gefühl hatte, dass meine Lunge in hellen, lodernden Flammen stand. Es schien kein Ende nehmen zu wollen. Als plötzlich vor mir, wie aus dem Nichts geschossen, ein Tor auftauchte. Nur widerwillig blieb ich stehen und schöpfte nach Atem.
Wie von Geisterhand, schwang das Tor auf und mit langsamen Schritten betrat ich einen ungepflegten Gehweg. Mir schlug Verwesungsgeruch entgegen. Neugierig blieb ich stehen und sah mich um. Links und rechts vom Gehweg, standen viele Bäume, die verdorrt waren. Als ich genauer hinsah, bemerkte ich, dass von den Bäumen aufgeschlitzte Leichen baumelten, deren Eingeweide verstreut herum lagen und die Assfresser sich genüsslich daran getan hatten. Ein leichter Schauer, den ich nicht so recht einschätzen konnte, lief mir den Rücken herunter. Bald konnte ich ein Haus erkennen. Wo war ich hier bloß gelandet?
Zögernd klopfte ich an die Tür und eine junge Frau öffnete mir. Man bat mich höflich herein. Man gab mir zum essen und trinken. Wir unterhielten uns eine ganze Weile, als ein dürrer Mann ins Wohnzimmer kam. Ich konnte gerade noch sehen, wie er einen Kopf von einem Mädchen hinter seinen Rücken verschwinden ließ und mich mit weit aufgerissenen Augen ansah. Für einige Augenblicke war es in dem Raum mucks Mäuschen still, bis die junge Frau mit ihrer piepsigen Stimme fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit in ihr Zimmer zu kommen. Ich nickte bloß und folgte ihr ins obere Stockwerk.
Schon auf der Treppe fiel mir dieser Verwesungsgeruch erneut auf. Aufmerksam sah ich mich um, konnte aber nichts entdecken. Als die junge Frau ihre Zimmertür aufschwang, wurde der Verwesungsgeruch immer stärker. Und dann sah ich auch warum. Auf dem Boden lagen etliche Körperteile verteilt und auf dem Bett lag ein Mädchen, das mich aus starren Augen ansah. Die Bauchdecke des Mädchens war bis zum Hals aufgeschnitten. Wahrlich, ein grausamer Tod.
Die junge Frau hatte sich vor ihrem Frisiertisch hingesetzt und sah mich durch den Spiegel mit kalten Augen an. Schließlich reichte sie mir eine Bürste und sagte mir, dass ich ihre Haare bürsten soll. Ich fühlte nichts. Keine Angst, wie es eigentlich hätte sein sollen. Mich ließ alles kalt. Ich fing an, ihre Haare zu kämmen. Sie hatte wunderschönes, langes Blondes Haar. Die junge Frau hatte ihre Augen geschlossen, als mir eine große Blutverkrustete Schere auffiel. Vorsichtig legte ich die Bürste beiseite und griff zur Schere. Mit der freien Hand, strich ich ihr durchs Haar. Schließlich riss ich grob an dem Haar, sodass die junge Frau vor Schmerz aufschrie.
Mit einem Mal hatte die junge Frau keine wunderschöne lange Blonde Haare mehr. Sie sah ein wenig verwirrt aus, als sie sich ungläubig an den Kopf fasste. Ich spürte auf einmal ein Bedrängnis, dass ich der jungen Frau mit eine ruck die Schere seitlich in den Hals rammte und ihn ihr langsam aufschnitt. Die junge Frau wollte auf schreien, doch sie bekam nur ein kurzes Keuchen heraus. Das Blut lief warm an meiner Hand hinunter.
Schließlich sackte die junge Frau zusammen. Ihre Augen waren vor Schreck aufgeweitet, ihr Mund zu einem stummen Schrei geformt. Blut rann ihr aus dem Mundwinkel. Ich sah in den Spiegel und musste unweigerlich Lächeln. Dann wischte ich mit meiner Blutverschmierten Hand über den Spiegel. So kann es gehen. Genüsslich zog ich die Schere aus dem Hals und schlenderte gelassen zu Tür.
Auf dem Flur, blieb ich einige Sekunden still stehen und lauschte. Am anderen Ende, hörte ich, wie ein Mädchen entsetzt schrie. Es dauerte nicht lange, als eine Männerstimme zurück schrie und das Mädchen wüst beschimpfte. Ich folgte der Stimme, die Schere in meiner Hand. Vor der Tür blieb ich stehen und musste leise in mich hinein lachen. An der Türklinke hing ein liebevoll zusammen gebasteltes Türschildchen, auf dem in großen roten Buchstaben stand „Don´t Disturb“. Mit einem Schwung riss ich die Tür auf, und sah den dürren Mann von vorhin. Er hatte sich über ein Mädchen gebeugt und hatte etwas in der Hand. Nun starrte er mich an. Dann sah er auf meine Hand, in der die Schere war. Erschrocken wich er zur Wand. Mit einer kratzigen Stimme fragte er mich, was ich getan hätte. Ich gab ihm keine Antwort darauf und ging langsam auf ihn zu.
Als ich nur noch wenige Schritte vor ihm stand, loderte in seinem Blick plötzlich Hass auf. Er sprang auf und wollte sich auf mich stürzen. Ich wich ihm geschickt aus, sodass er mit seinem Gleichgewicht haderte und fast zu Boden gestürzt wäre. Ich packte die Schere wie ein Messer und wartete. Es dauerte nicht lange, als sich der Mann wieder gefasst hatte und sich erneut auf mich stürzen wollte, als das Mädchen auf dem Stuhl ihm ein Bein stellte und er der Länge nach hin fiel. Dabei, schlug er sich selbst die Schere durch das linke Auge, quer durch den Kopf. Das hatte er sich selbst zu zuschreiben.
Ich ließ die Schere los, so dass der schlaffe Körper des Mannes zu Boden sinken konnte. Dann wälzte ich den Mann auf den Rücken und zog die Schere heraus, an der ein Gelee artiger Schleim hing. Ich wischte sie an dem Mann ab und ging hinunter, wo die Mutter schon in ihrem Sessel saß. Einige Zeit, stand ich still hinter der Mutter, die eine hässlich Gelmaske an hatte. Im hinteren Zimmer war der Großvater, der in seinem Rollstuhl saß und unaufhörlich rummeckerte. Von irgendwoher, dudelte ein Radio. Ich legte meine Schere weg und riss das Telefonkabel aus der Wand. Ich ging wieder hinter der Mutter in Position und legte sanft das Kabel um ihren schrumpeligen Hals und zog ganz langsam zu. Die Mutter ruderte wild mit den Armen und ihr Gesicht wurde immer dunkler. Von Rot zu Lila. Von Lila zu Blau. Schon bald hatte sie aufgehört mit den Armen zu rudern und blieb still in ihrem Sessel sitzen.
Ich ließ das Kabel los und sah mich um. Schließlich ging ich in das Zimmer vom Großvater, der mich mürrisch von der Seite ansah. Ich fragte ihn, ob ich ihm etwas zu trinken bringen könne. Er nickte bloß und fing wieder an zu meckern. Ich ging in die Küche und durchwühlte die Schränke. Bald fand ich das, was ich suchte. Ich brauchte nur noch eine Tasse. Als ich alles hatte, mixte ich dem Großvater einen anständigen Cocktail, der aus Arsen, Rattengift, verschiedene Putzmittel und eine Ansammlung von diversen Tabletten bestand. Ich setzte mich ihm gegenüber und beobachtete ihn. Zuerst hatte er den Special Cocktail mit skeptischem Blick gemustert, anschließend sogar daran gerochen. Zum Schluss zuckte er nur mit den Schultern und trank mit gierigen Zügen das ganze Glas in einem Zug leer.
Dann ließ er plötzlich sein Glas fallen, warf seinen Kopf in den Nacken und griff sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an seinen Hals. Es dauerte eine weile, bis er aufhörte zu zucken. Schließlich sank er, mit Schaum vor dem Mund, in sich zusammen. Ich streckte mich, ließ die Schere fallen und ging nach draußen.
Die Sonne lugte neugierig über abgestorbene Bäume. Es würde wieder ein sehr warmer Tag werden. Langsam schlenderte ich den Gehweg, gesäumt mit den Totenbäumen, entlang, als plötzlich hinter mir ein komisches Geräusch an mein Ohr drang. Ich drehte mich um und sah, wie ein Mann, so groß wie ein Riese mir freundlich zum Abschied winkte. Ich hob ebenfalls meine Hand zum Abschied und verschwand.

Ende

von R. H.

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